Klee war ausgebildeter Geiger, bevor er Maler wurde, und man merkt es diesem Blatt von 1927 an: Was hier über die Fläche läuft, liest sich weniger wie eine Szene als wie eine Partitur, in der ein Motiv angeschlagen, wiederholt, verschoben und in immer neuen Lagen durchgespielt wird. Erzählt wird nichts - stattdessen entwickelt sich ein Grundgedanke aus feinen Parallellinien Feld für Feld weiter, mal waagrecht geschichtet, mal diagonal gekippt, mal zu kleinen Giebeln und gekreuzten Quadraten verdichtet, bis sich in der Mitte fast so etwas wie eine Architektur aus lauter Variationen zusammensetzt, umgeben von einem Blau, das nach oben hin dunkler wird wie ein Abendhimmel hinter einem Gerüst. Das quadratische Format von 42 x 42 cm schließt diese Ordnung noch einmal ein und gibt ihr etwas Geschlossenes, beinahe Meditatives. Interessant finde ich, dass das Bild trotz der vielen Wiederholungen und Abweichungen nie unruhig wirkt - Klee, der damals am Bauhaus über Rhythmus, Struktur und innere Gesetzmäßigkeiten der Form lehrte, hält alles in einem kontrollierten, fast musikalischen Gleichmaß, in dem jede Abweichung wie eine bewusste Modulation klingt.
Sinead, eine schlichte Leiste aus Eichenfurnier, rahmt diese Anfertigung ohne jede Verzierung und setzt mit ihrer sichtbaren Holzmaserung einen ruhigen Gegenpol zur abstrakten Ordnung des Motivs. Das eigentliche Ereignis dieser Ausführung ist aber die Oberfläche selbst: Die Leinwand Leonardo trägt mit ihrem satinierten, körnigen Gewebe erheblich dazu bei, dass die gedruckten Linien wirken, als säßen sie direkt auf einem groben Malgrund - wer nah herangeht, sieht, wie jede einzelne Linie den kleinen Erhebungen des Gewebes folgt, leicht aufbricht und dadurch genau jene handgezogene Unregelmäßigkeit behält, die Klees Zeichnung ausmacht. Besonders in den rostroten Passagen der Bildmitte greifen Druck und Relief so ineinander, dass die Struktur des Stoffs Teil des Motivs wird statt bloßer Träger. Auf den Keilrahmen gezogen und an den Kanten gespiegelt, läuft das Bild bündig bis an die Eichenleiste heran. So hängt am Ende ein Stück da, bei dem man fast zusieht, wie sich ein einzelner Gedanke in mehreren Variationen weiterentwickelt - und bei jedem Blick ein Stück weiterzugehen scheint.