| Geboren | 18. Oktober 1697 (Venedig) |
| Gestorben | 1768 (Venedig) |
| Nationalität | Deutschland |
| Epochen | Rokoko |
| Genre | Vedute, Landschaftsmalerei |
| Beruf | Maler, Radierer, Zeichner |
| Familie | Vater: Bernardo Canal |
| Lehrer | Bernardo Canal |
| Schüler | Bernardo Bellotto |
| Beeinflusst von | Giovanni Paolo Pannini |
| Bekannte Werke | Der Hof der Steinmetzen (1725), Die Einfahrt zum Canal Grande (1730), View of the Bacino di San Marco from the Punta della Dogana (1743), Markusplatz mit Blick auf den Markusdom (1723), Empfang des französischen Gesandten in Venedig (1727) |
| Museen | National Gallery of Art, Art Institute of Chicago, Yale Center for British Art, Dulwich Picture Gallery, Statens Museum for Kunst |
Der Tuchhändler Stefano Conti aus Lucca wusste 1725, was er kaufen wollte: Veduten von Luca Carlevarijs, gemalte Ansichten Venedigs. Sein Berater, der Maler Alessandro Marchesini, widersprach. In Venedig arbeite ein Jüngerer, dessen Bilder denen des Carlevarijs glichen, nur sehe man darin die Sonne scheinen. Der Jüngere war Giovanni Antonio Canal, den bald alle nur Canaletto nannten - Sohn des Theaterkulissenmalers Bernardo Canal, geboren am 18. Oktober 1697 in Venedig. Er lernte beim Vater, malte mit ihm 1719 und 1720 in Rom Bühnenbilder und kehrte dem Theater danach den Rücken - verdrossen über die Rücksichtslosigkeit der Dramendichter, wie ein früher Biograf notierte. Von da an galt sein Blick der eigenen Stadt; aus dem Bürger der Republik Venedig wurde ihr Vedutenmaler.
Ob Marchesini übertrieb, lässt sich an der „Ansicht des Dogenpalastes“ überprüfen. Vom Wasser aus liegt die Stadt im vollen Licht. Die rosa gemusterte Fassade des Palastes leuchtet, der Campanile ragt vor den Wolken auf, und über das grüne Becken ziehen Gondeln, deren Ruderer sich in die Riemen stemmen. Den Gegenblick vom Land öffnet die „Ansicht des Beckens von San Marco und der Kirche San Giorgio Maggiore von der Piazzetta in Venedig“. Neben der Säule mit dem Markuslöwen liegen Segelschiffe im Becken, ein Marktstand steht unter einer gestreiften Plane, ein kleiner Hund ruht auf dem Pflaster, und Herren in roten Roben stehen im Gespräch. Auch Venedigs Festtage gehörten zum Angebot. In „Eine Regatta auf dem Canal Grande“ hängen rote Tücher aus den Fenstern der Paläste, an beiden Ufern drängen sich Zuschauer und geschmückte Prunkboote, und durch die freigehaltene Mitte des Kanals jagen die schmalen Rennboote.
Um diese Bilder entstand ein Markt mit eigenen Gesetzen. Der irische Agent Owen McSwiney klagte 1727, Canal sei ein habgieriger Bursche, der jeden Preis verlangen könne und die Kundschaft warten lasse; im selben Herbst schwärmte er, zwei neue, auf Kupfer gemalte Bilder seien die schönsten Stücke, die der Maler je geschaffen habe. Das größte Stück vom Geschäft sicherte sich Joseph Smith, der spätere britische Konsul in Venedig. Er bündelte die Wünsche der Reisenden auf ihrer Grand Tour, der großen Bildungsreise durch Italien, und sammelte selbst, bis er etwa 50 Gemälde, an die 150 Zeichnungen und 15 Radierungen seines Lieblingsmalers besaß.
Dann fiel die Kundschaft aus. Der Österreichische Erbfolgekrieg hielt ab 1740 die Reisenden fern, und der Maler griff zur Radiernadel, einem Werkzeug, das bei ihm bislang kaum vorgekommen war. Ganze 33 Radierungen schuf er; 31 davon erschienen nach 1744 als Serie mit Widmung an Smith, und ihr Titel benannte das Programm ganz offen - Ansichten, teils nach realen Orten, teils erfunden. Der Dokumentarist Venedigs erlaubte sich das Träumen. In unserem Sortiment hat diese Krisenkunst ein erstaunliches Nachleben. 462 Canaletto-Werke stehen darin, und gut 170 davon gehen auf die Radierungen zurück, viele in Schwarz auf elfenbeinfarbenem Bütten gedruckt.
1746 reiste Canaletto seiner Kundschaft hinterher nach London, wo er fast ein Jahrzehnt blieb. Die Stadt empfing ihn mit dem Gerücht, er sei gar nicht der echte Canaletto - denn auch sein Neffe und Schüler Bernardo Bellotto reiste unter dem berühmten Namen durch Europa. Der Chronist George Vertue notierte 1749, an dem ganzen Mann sei etwas Dunkles oder Seltsames. Der Verdächtigte antwortete mit einer Zeitungsanzeige, die jeden Gentleman in sein Haus einlud, eine frisch vollendete Ansicht aus dem St. James's Park zu prüfen. Der Sammler Thomas Hollis bestellte sechs Gemälde, darunter die „Innenansicht der Rotunde von Ranelagh in London“, eines der seltenen Innenraumbilder des Vedutisten. Unter dem flachen Deckenrund hängen Kronleuchter an langen roten Schnüren, Besucher flanieren um den verzierten Mittelbau, und rechts erhebt sich die Empore für die Musik. Für Hollis entstand 1754 auch „Eine Ansicht der Walton-Brücke“. Auf der Rückseite des Gemäldes vermerkte der Maler, er habe dieses Bild in London gemalt, zum ersten und letzten Mal, mit allergrößter Sorgfalt, für seinen hochgeschätzten Gönner - Zeilen, die sich wie ein Abschied von England lesen. Seit das Bild 1850 auf eine neue Leinwand aufgezogen wurde, liegt die Notiz verborgen. Im Bild erscheint der Maler selbst, als zeichnende Figur.
Mitte der 1750er Jahre kehrte er endgültig nach Venedig zurück. Die heimische Akademie tat sich schwer mit ihm. Im Januar 1763 fiel er bei der Aufnahmewahl durch, im September wählte man ihn doch, und sein Aufnahmestück lieferte er 1765 verspätet ab - ausgerechnet ein Capriccio, eine Architektur aus der Einbildungskraft, vom Mann, der sein Leben lang das wirkliche Venedig vermessen hatte. Nach seinem Tod im Jahr 1768 in Venedig blieb ein bescheidener Nachlass - eine kleine Immobilienanlage und 28 unverkaufte Bilder im Atelier. Konsul Smith hatte seine Sammlung da längst abgegeben; 1762 waren über 40 Canalettos mitsamt seiner Bibliothek für insgesamt 20.000 Pfund an König Georg III. gegangen. Seither bewahrt die Royal Collection den größten Canaletto-Bestand der Welt.
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| Geboren | 18. Oktober 1697 (Venedig) |
| Gestorben | 1768 (Venedig) |
| Nationalität | Deutschland |
| Epochen | Rokoko |
| Genre | Vedute, Landschaftsmalerei |
| Beruf | Maler, Radierer, Zeichner |
| Familie | Vater: Bernardo Canal |
| Lehrer | Bernardo Canal |
| Schüler | Bernardo Bellotto |
| Beeinflusst von | Giovanni Paolo Pannini |
| Bekannte Werke | Der Hof der Steinmetzen (1725), Die Einfahrt zum Canal Grande (1730), View of the Bacino di San Marco from the Punta della Dogana (1743), Markusplatz mit Blick auf den Markusdom (1723), Empfang des französischen Gesandten in Venedig (1727) |
| Museen | National Gallery of Art, Art Institute of Chicago, Yale Center for British Art, Dulwich Picture Gallery, Statens Museum for Kunst |
Der Tuchhändler Stefano Conti aus Lucca wusste 1725, was er kaufen wollte: Veduten von Luca Carlevarijs, gemalte Ansichten Venedigs. Sein Berater, der Maler Alessandro Marchesini, widersprach. In Venedig arbeite ein Jüngerer, dessen Bilder denen des Carlevarijs glichen, nur sehe man darin die Sonne scheinen. Der Jüngere war Giovanni Antonio Canal, den bald alle nur Canaletto nannten - Sohn des Theaterkulissenmalers Bernardo Canal, geboren am 18. Oktober 1697 in Venedig. Er lernte beim Vater, malte mit ihm 1719 und 1720 in Rom Bühnenbilder und kehrte dem Theater danach den Rücken - verdrossen über die Rücksichtslosigkeit der Dramendichter, wie ein früher Biograf notierte. Von da an galt sein Blick der eigenen Stadt; aus dem Bürger der Republik Venedig wurde ihr Vedutenmaler.
Ob Marchesini übertrieb, lässt sich an der „Ansicht des Dogenpalastes“ überprüfen. Vom Wasser aus liegt die Stadt im vollen Licht. Die rosa gemusterte Fassade des Palastes leuchtet, der Campanile ragt vor den Wolken auf, und über das grüne Becken ziehen Gondeln, deren Ruderer sich in die Riemen stemmen. Den Gegenblick vom Land öffnet die „Ansicht des Beckens von San Marco und der Kirche San Giorgio Maggiore von der Piazzetta in Venedig“. Neben der Säule mit dem Markuslöwen liegen Segelschiffe im Becken, ein Marktstand steht unter einer gestreiften Plane, ein kleiner Hund ruht auf dem Pflaster, und Herren in roten Roben stehen im Gespräch. Auch Venedigs Festtage gehörten zum Angebot. In „Eine Regatta auf dem Canal Grande“ hängen rote Tücher aus den Fenstern der Paläste, an beiden Ufern drängen sich Zuschauer und geschmückte Prunkboote, und durch die freigehaltene Mitte des Kanals jagen die schmalen Rennboote.
Um diese Bilder entstand ein Markt mit eigenen Gesetzen. Der irische Agent Owen McSwiney klagte 1727, Canal sei ein habgieriger Bursche, der jeden Preis verlangen könne und die Kundschaft warten lasse; im selben Herbst schwärmte er, zwei neue, auf Kupfer gemalte Bilder seien die schönsten Stücke, die der Maler je geschaffen habe. Das größte Stück vom Geschäft sicherte sich Joseph Smith, der spätere britische Konsul in Venedig. Er bündelte die Wünsche der Reisenden auf ihrer Grand Tour, der großen Bildungsreise durch Italien, und sammelte selbst, bis er etwa 50 Gemälde, an die 150 Zeichnungen und 15 Radierungen seines Lieblingsmalers besaß.
Dann fiel die Kundschaft aus. Der Österreichische Erbfolgekrieg hielt ab 1740 die Reisenden fern, und der Maler griff zur Radiernadel, einem Werkzeug, das bei ihm bislang kaum vorgekommen war. Ganze 33 Radierungen schuf er; 31 davon erschienen nach 1744 als Serie mit Widmung an Smith, und ihr Titel benannte das Programm ganz offen - Ansichten, teils nach realen Orten, teils erfunden. Der Dokumentarist Venedigs erlaubte sich das Träumen. In unserem Sortiment hat diese Krisenkunst ein erstaunliches Nachleben. 462 Canaletto-Werke stehen darin, und gut 170 davon gehen auf die Radierungen zurück, viele in Schwarz auf elfenbeinfarbenem Bütten gedruckt.
1746 reiste Canaletto seiner Kundschaft hinterher nach London, wo er fast ein Jahrzehnt blieb. Die Stadt empfing ihn mit dem Gerücht, er sei gar nicht der echte Canaletto - denn auch sein Neffe und Schüler Bernardo Bellotto reiste unter dem berühmten Namen durch Europa. Der Chronist George Vertue notierte 1749, an dem ganzen Mann sei etwas Dunkles oder Seltsames. Der Verdächtigte antwortete mit einer Zeitungsanzeige, die jeden Gentleman in sein Haus einlud, eine frisch vollendete Ansicht aus dem St. James's Park zu prüfen. Der Sammler Thomas Hollis bestellte sechs Gemälde, darunter die „Innenansicht der Rotunde von Ranelagh in London“, eines der seltenen Innenraumbilder des Vedutisten. Unter dem flachen Deckenrund hängen Kronleuchter an langen roten Schnüren, Besucher flanieren um den verzierten Mittelbau, und rechts erhebt sich die Empore für die Musik. Für Hollis entstand 1754 auch „Eine Ansicht der Walton-Brücke“. Auf der Rückseite des Gemäldes vermerkte der Maler, er habe dieses Bild in London gemalt, zum ersten und letzten Mal, mit allergrößter Sorgfalt, für seinen hochgeschätzten Gönner - Zeilen, die sich wie ein Abschied von England lesen. Seit das Bild 1850 auf eine neue Leinwand aufgezogen wurde, liegt die Notiz verborgen. Im Bild erscheint der Maler selbst, als zeichnende Figur.
Mitte der 1750er Jahre kehrte er endgültig nach Venedig zurück. Die heimische Akademie tat sich schwer mit ihm. Im Januar 1763 fiel er bei der Aufnahmewahl durch, im September wählte man ihn doch, und sein Aufnahmestück lieferte er 1765 verspätet ab - ausgerechnet ein Capriccio, eine Architektur aus der Einbildungskraft, vom Mann, der sein Leben lang das wirkliche Venedig vermessen hatte. Nach seinem Tod im Jahr 1768 in Venedig blieb ein bescheidener Nachlass - eine kleine Immobilienanlage und 28 unverkaufte Bilder im Atelier. Konsul Smith hatte seine Sammlung da längst abgegeben; 1762 waren über 40 Canalettos mitsamt seiner Bibliothek für insgesamt 20.000 Pfund an König Georg III. gegangen. Seither bewahrt die Royal Collection den größten Canaletto-Bestand der Welt.