Unter einem aufgerissenen Nachthimmel fährt ein Segelschiff über dunkles Wasser. Seine schwarzen Segel stehen gegen eine helle Wolkenzone, in der das Mondlicht nur gedämpft hervortritt. Eine zweite, kleinere Silhouette erscheint am rechten Horizont; links markieren niedrige Bauten und windmühlenartige Formen die Küste. Auf den Wellen zerfällt das Licht in kurze weiße und blaugraue Bahnen, während Vordergrund und Bildränder fast schwarz bleiben. Die weite Himmelsfläche drückt auf die schmale Seezone und gibt der Fahrt etwas Ungewisses, ohne dass die Szene ins Dramatische kippt. Paul Gauguin, französischer Künstler des späten 19. Jahrhunderts, ordnet das Motiv aus großen Dunkel- und Lichtfeldern. Das Schiff bleibt klar lesbar, obwohl es beinahe mit Meer und Küste verschmilzt.
Die Anfertigung auf Leinwand Leonardo (Satin) stößt ohne Passepartout und Glas direkt an die innere Goldkante von Lydia. Daran schließt das breite Grün des Holzrahmens an, dessen goldfarbene Maserung in unregelmäßigen Spuren über die Fläche läuft. An solchen Spuren bleibt man beim Betrachten tatsächlich hängen - besonders links unten, wo sich der Farbzusammenhang zeigt: Neben dem fast schwarzen Wasser wirkt das Grün tief und kühl; die braungoldenen Stellen führen zugleich zu den fahlen Lichtbahnen auf den Wellen. Die innere Goldkante zieht eine warme Grenze um das blaugraue Motiv und schärft so die dunkle Silhouette des Schiffs. Über dem hellen Wolkenfeld erscheint derselbe Goldton kräftiger als am unteren Bildrand, wo Meer und Rahmen farblich enger zusammenstehen.
Das Gold setzt dem kühlen Mondlicht Wärme entgegen, während das Grün die dunklen Töne der See begleitet. Für mich liegt gerade in diesem Wechsel aus Nähe und Gegensatz das Überzeugende an der Kombination - Bild und Rahmen reden hier tatsächlich miteinander, statt nur nebeneinander zu stehen.