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Die Geburt der Venus (34)

(La nascita di Venere)


Sandro Botticelli
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Frührenaissance  ·  Weiblicher Akt  ·  Sagen und Märchen  ·  Realistisch und Detailreich  ·  Top 1000 Meisterdrucke
1485  ·  Tempera auf Panel  ·  565.2 Megapixel  ·  Bild ID:34
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Die Geburt der Venus (Sandro Botticelli)

Es war die Zeit des Umbruchs vom "düsteren" Mittelalter zur schillernden Neuzeit im 15. und 16. Jahrhundert, die durch die Renaissance des Geistes der griechischen und römischen Antike geprägt war. Ausgehend von den reichen Städten Norditaliens übten die Künstler und Gelehrten wie Tizian, Leonardo da Vinci, Michelangelo einen nachhaltigen Einfluss auf die gesamte europäische bildende Kunst aus. Florenz, das durch die mächtige Medici-Dynastie zu einer der wirtschaftlich attraktivsten Städte Italiens, wenn nicht sogar ganz Europas, geworden war, beheimatete zahlreiche Kunstschaffende und wird zurecht als die Wiege der Renaissance bezeichnet. Die florentinische Luft voller Kreativität und nicht zuletzt der goldene Regen von Florentinern der Medici förderten die Künstler, unter denen sich auch der würdige Sohn der Stadt Florenz Sandro Botticelli befand, in ihrem Schaffen.
Die Geburt der Venus Detailausschnitt 1
Die Geburt der Venus Detailausschnitt 1
Beeinflusst von Fra Filippo Lippi, der damals der berühmteste Maler der Stadt war, in dessen Malerwerkstatt Botticelli zu Beginn der 1460er Jahre drei Jahre lang die Kunst des Malens erlernte, malte Botticelli Bilder aus der biblischen Historie, bis er sich schließlich ganz im Geiste der Frührenaissance der griechisch-römischen Mythologie, allerdings mit einem Gegenwartsbezug, widmete. So entstand später in seiner eigenen Malerwerkstatt eines der schönsten Bildnisse "die schaumgeborene" Venus. Neben seinem Bild "La Primavara" ist "Die Geburt der Venus" ("La nascita di Venere") nicht nur eines der beeindruckendsten, sondern auch eines seiner berühmtesten Werke.

Betrachtung des Bildes "Die Geburt der Venus"

Eng umschlungen halten sich die Göttin der sanften Morgenbrise Aura und der Windgott Zephir, von deren Atem Venus langsam gen Land getrieben wird. Die sich berührenden Flügelwesen verleihen dem Gemälde insgesamt eine angenehme Leichtigkeit. Bei der Geburt der Venus, so heißt es, soll die Rose erstmalig erblüht sein. Deshalb werden Zephir und Aura von im Wind tanzenden zarten rosa-farbenen Blüten umweht. Wie eine marmorfarbene, antike Statue erhebt sich Venus über dem Meer. Ihre goldenen Haare flattern im Wind und umspielen ihr unschuldiges Gesicht. In tänzerischer Anmut nähert sich eine Frühlingshore auf Zehenspitzen und breitet für Venus einen prächtigen Mantel aus, dessen Gewand sich in mächtigen, bewegten Falten aufbauscht. Venus steht nackt auf einer in goldenem und silbernem Glanze schimmernde Muschel, die gerade auf sich kräuselnden Wellen das Ufer erreicht. Obwohl sie unbekleidet ist, repräsentiert die Göttin nicht ein Symbol der körperlichen Liebe, sondern eines der geistigen Liebe. Ihre etwas keusche Pose ist einer schamhaften Venus ("Venus pudica") nachempfunden. Ihre angedeuteten schweren Lider, die einen etwas abwesend-unnahbaren Blick ausdrücken, verleihen der Göttin eine kühle Distanz.

Trotz der öfter geäußerten Auffassung, Botticelli habe hier beispielsweise in den Proportionen der Venus den Goldenen Schnitt angewandt, ist jener Faktor Φ in diesem Bild nicht wirklich nachweisbar. Ihre Anatomie entspricht mitnichten jenem klassischen Realismus eines Leonardo da Vincis oder Raffaels. Der etwas zu lange Hals sowie die anatomisch nicht ganz realistische linke Schulter, die die Schönheit der Venus sogar betonen, können aber vielleicht als Vorgriff auf den Manierismus verstanden werden.

Die Geburt der Venus Detailausschnitt 2
Die Geburt der Venus Detailausschnitt 2

Trotz düsterer Zeiten triumphiert die Schönheit

Diese Darstellung ist in der Tat ein ganz besonderes Werk der europäischen Malerei, denn es handelt sich zum ersten Mal seit der Antike wieder um die Verherrlichung eines gänzlich unbekleideten Frauenkörpers in ästhetischer Vollkommenheit. Nur mit viel Glück, darf man fast sagen, ist dieses Gemälde der Nachwelt überhaupt erhalten geblieben, denn Girolamo Savonarola, der dem Orden der Dominikaner (auch Predigerorden genannt) angehörte, stiftete in den ersten Februartagen 1497 Scharen von Kindern und Jugendlichen dazu an, "im Namen Christi" als marodierende Banden alles zu beschlagnahmen, was aus seiner eingeengten Sicht als Symbol der Verdorbenheit der Menschen angesehen werden konnte. Dazu gehörten nicht nur heidnische Schriften oder "pornographische" Bilder, sondern eben auch Kosmetika, Spiegel, Schmuck und Gemälde sowie "weltliche" Musikinstrumente, Noten, Spielkarten, teure Kleidungsstücke oder aufwendig gefertigte Möbel. Viele Menschen lieferten entweder aus tatsächlicher Einsicht in die Reue oder aus Angst vor Repressalien selbst devot oder in vorauseilendem Gehorsam ihre Güter aus.

Dieser Bußeprediger erregte im Volk mit seiner Kritik am üppigen Lebenswandel des Klerus und des herrschenden Adels viel Aufsehen und war faktisch in kurzer Zeit zum Herrscher über einen Gottesstaat in Florenz aufgestiegen. Diese "Hölle" loderte dort immerhin von 1494 bis zu seiner Hinrichtung im Jahre 1498. Zwei überlieferte Ereignisse waren für diese Zeitspanne besonders bezeichnend. Am 07.02.1497 und ein Jahr später am 17.02.1498 wurden auf der Piazza della Signoria unzählige wunderschöne Gegenstände auf einem riesigen Scheiterhaufen verbrannt. Sogar der Maler Sandro Botticelli höchst selbst warf dort eigene Bilder in die Flammen. Zum Glück war "Die Geburt der Venus" nicht dabei, sodass sich heute ungezählte Besucher der Uffizien in Florenz des Kunstwerks erfreuen können. In der Kunstsammlung "Galleria degli Uffizi" befinden sich viele große Werke der Malerei und Bildhauerei von der Antike bis zum Spätbarock. So überdauerte die wahre Kunst die Jahrhunderte, ganz im Gegensatz zu Savonarola, der nach kurzer Phase der Macht schließlich selbst auf einem Scheiterhaufen verbrannte.

Wer ist diese geheimnisvolle Schöne?

Das Gemälde hat mit 172,5 x 278,5 Zentimeter ein recht großes Format und dürfte, ebenso wie Botticellis Primavera, von Lorenzo di Pierfrancesco de’ Medici für die Villa di Castello in Auftrag gegeben worden sein. Vermutlich war es eine Huldigung die Liebe zwischen Simonetta Vespucci und Giuliano di Piero de Medici, der 1478 während der Pazzi-Verschwörung getötet worden war. Sehr wahrscheinlich wurden hier ihr Gesichter verewigt.
Simonetta Cattaneo Vespucci galt einst als die schönste Frau von Florenz. In dieser Eigenschaft inspirierte sie einige Künstler der italienischen Renaissance, so auch Botticelli. Schon mit 16 Jahren wurde Simonetta mit Marco Vespucci, das war ein Cousin des Seefahrers und Namensgeber Amerikas Amerigo Vespucci, verheiratet. Interessanterweise wohnte in direkter Nähe von Botticellis Vater jene einflussreiche Kaufmannsfamilie Vespucci, für die Botticelli mehrere Auftragsarbeiten erledigt hatte.
Allerdings wird es heute angezweifelt, dass dieses Gemälde tatsächlich dazu bestimmt war, die Villa der Medici zu schmücken, unter anderen von dem Kunsthistoriker Ernst Gombrich. Als sich die Villa von Castello noch im Besitz der direkten Nachfahren von Lorenzo die Pierfrancesco de’ Medici befand, wurde das Bild mit keinem Wort in deren Inventarlisten erwähnt. So bleibt uns wohl ein weiteres Geheimnis um die schöne Venus erhalten, während sich die Kunsthistoriker noch darum streiten, ob es hier inhaltlich dem Bildtitel entsprechend um die Geburt der Venus oder vielmehr um ihre Anlandung am Strand von Zypern geht. Immerhin steht die Venus leichtfüßig auf einer Muschelschale und der Westwind Zephir treibt sie damit gen Zyperns Gestade. Bedenken wir aber, dass das Bild eine idealisierte Landschaft zeigt, die es so auch in Italien gibt. Bestimmt wollte der Maler unserer Fantasie etwas Raum lassen.

Schlusswort

Ob nun der "Kopf des Engels" von Andrea del Verrocchio, der möglicherweise auch Botticellis Lehrer war, oder die geheimnisvolle "Mona Lisa" von Leonardo da Vinci, gerade "Die Geburt der Venus" von Botticelli lässt uns den Zauber dieser wundersamen Epoche und die besondere Atmosphäre von Florenz in der Renaissance nachempfinden. Die Kunst wurde geschaffen, um bestaunt werden und auch ein gedrucktes Kunstwerk lädt den Betrachter zu einer ganz persönlichen Entdeckungsreise ein. © Meisterdrucke
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